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NS-Zwangsarbeit am Erzberg (Steiermark) 
 
 
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Recherche-Material 3

Projekt EISENERZ (2000/2001) 
 
ZWANGSARBEIT AM ERZBERG  
RECHERCHE-MATERIAL 3
 
 
 
ZEITTAFEL 
ZITATE ZU 
STEIERMARK, GRAZ, ERZBERG, ERZ
 
 
 
DATEN ZUR GESCHICHTE DES ERZBERGES:  
 
1150: In Urkunden wird der ERZBERG erwähnt 
1502: Zur Eisengewinnung wird Holz verkohlt 
1532: Aufstand der Bergarbeiter  
1583: Gründung einer Eisenhandelsgesellschaft 
1587: vierter Aufstand 
1669: Entdeckung der besonders ergiebigen „Wunderstufe“ 
 
1720: Einführung der Pulversprengung 
1804: EISENERZ hat 3000 Einwohner 
1805: französische Besetzung 
1831: Bau der Erzförderbahn 
1856: Bau einer Röstofenanlage 
1870: Erste Sprengung mit Dynamit 
1878: Aufnahme des Dampflokomotivenbetriebs 
1881: Gründung der Österreichischen Alpine Montangesellschaft“ 
 
1891: Beginn der Etagenbildung 
1900: Elektrolokomotivenbetrieb 
1913: Anblassen des Hochofens Nr. 2 
1914: Arbeiteraufstand 
1914: Einsatz russischer Kriegsgefangener als Zwangsarbeiter am Berg 
 
1917: Einsatz italienischer Kriegsgefangner 
1919: Achtstundentag 
1925: Sprengung des ERZBERGGIPFELS 
1934: Februarkämpfe 
 
1938: Nach siebenjährigen Stillstand der Hochöfen werden diese wegen der Nachfrage aus dem „Reich“ (Aufrüstung) wieder angeblasen 
1938: Nazis bauen Wohnsiedlungen Trofeng und Münichtal  
 
1938: Die ersten Häftlinge in Mauthausen (8.August) 
 
1939: Eingliederung des ERZBERGES in die „Reichswerke AG für ERZBERGBAU und Eisenhütten Hermann Göring“ der „Alpine Montan AG Hermann Göring“. „Zeitweise bis zu 12000 Arbeitskräfte“  
 
 
1941: „Die Verbindung mit dem ERZBERG, der der Mittelpunkt der Eisenindustrie im großen deutschen Reiche immer gewesen ist, von dort strahlten immer die Kraftlinien aus.“ Direktor Georg Malzacher, Direktor der Herman-Göring-Werke, im Jahr1941. 
(Zitat aus der DLF-Sendung „Steirisches Erz“, 6.2.2001)  
 
 
1942: Erster Zwangsarbeitertransport (700 Männer) trifft (aus Mauthausen?) ein. Unterbringung im Lager Trofeng. EISENERZ hat 20.000 Einwohner. KZ beim Hochofen. Mehrere Lager.  
1943: Für den Endsieg und mit Zwangsarbeit: Höchste Verhauerzeugung in der Geschichte des ERZBERGES: 13.884.000 Tonnen.  
 
Allein fünf Arbeitslager gab es in EISENERZ. Und ein Außenlager des KZ Mauthausen mit rund 400 Gefangenen, zwischen Sommer 1943 und April 1945. Diese Gefangenen haben ein neues Gebäude am ERZBERG bauen müssen. Walter Dall-Asen hat Fotos und Zeugenaussagen gesammelt, die darauf hindeuten, dass direkt am ERZBERG ein neues KZ mit Gaskammern gebaut werden sollte. Dieser Neubau wurde nach Kriegsende mit Tonnen von Geröll verschüttet. Die Häftlinge des existierenden KZs sollten für die Reichswerke arbeiten. Eine Firmenaufschrift beim Lager gab darüber Auskunft. Die Häftlinge wurden im Straßenbau eingesetzt. 
(Zitat aus der DLF-Sendung „Steirisches Erz“, 6.2.2001)  
 
 
1943: Amerikanische und britische Bomber über EISENERZ (Oktober) 
 
30.April 1944, Protokoll der Führerkonferenz: 
Da damit gerechnet werden muss, dass auch die ausländischen EISENERZzufuhren wesentlich nachlassen bzw. ganz aufhören können, verlangt Hitler persönlich, dass mit sofortiger Wirkung eine umfassende außergewöhnliche Aktion zur wesentlichen Forcierung der Erzgewinnung am ERZBERG eingeleitet wird.  
 
Im Jahr 1944 erreichen die sogenannten ausländischen Arbeitskräfte in EISENERZ ihre größte Zahl - rund 7.000. Etwa die Hälfte der Einwohner. Zu Beginn der 40er Jahre arbeiteten rund 3.600 Slowaken am Berg. Als sogenannte Fremdarbeiter, die halbwegs freiwillig kamen. Bis zum Jahr 1945 sinkt ihre Zahl auf knapp 200. Diese Veränderung erklärt Heinrich-August-Meyer in seinem Buch über die Hermann-Göring-Werke: Die Fremdarbeiter meiden die schlechten Arbeitsbedingungen. Am ERZBERG treffen immer mehr Kriegsgefangene und sogenannte Ostarbeiter ein. Am 20.März 1945 zählt der Stadtkommandant rund 2000 Sowjetbürger. 
(Zitate aus der DLF-Sendung „Steirisches Erz“, 6.2.2001)  
 
 
1944: Hochöfen werden erfolgreich bombardiert 
 
1945: Jüdische Häftlinge werden durch EISENERZ getrieben (April!)  
 
Nach der Auflösung des KZs im März 1945 wurde EISENERZ zum Schauplatz eines Massakers, als 3.000 ungarische Juden durch die STEIERMARK getrieben wurden. Auf diesem Todesmarsch haben SA-Männer und Volkssturm rund 300 als Juden verfolgte Menschen getötet. Unter der Führung eines Mannes, der beim Werkschutz am ERZBERG die Zwangsarbeiter beaufsichtigte. 
(Zitate aus der DLF-Sendung „Steirisches Erz“, 6.2.2001)  
 
 
 
1945: Die Rote Armee besetzt EISENERZ (11.Mai). Umfangreiche Demontagen 
1948: „Marshallplanhilfe ermöglicht Modernisierung“ 
1951: Modernisierung: gleislose Baggerförderung, Großbrecheranlage, Großbohrlochsprengung 
1962: Erste Stilllegungen 
1967: Einweihung der „Gedenkstätte für die tödlich verunglückten Arbeitskameraden“ (ohne Zwangsarbeiter) 
1973: Fusion der Alpine Montan mit der VOEST in Linz 
1981: Gedenksteinenthüllung für den Erzherzog Johann 
 
1984: Karl Stocker und sieben weitere Autoren und Autorinnen veröffentlichen des Buch: „Bergmann oder Werksoldat. EISENERZ als Fallbeispiel industrieller Politik“ (Edition Strahalm) 
1986: Einstellung der Erzgewinnung in Etage 1 
1987: Versuche mit Tourismus  
 
1989: Überführung des ERZBERGes in die Österreichische Bergbauholding AG 
1990: Umstellung auf Großhydraulikbagger 
1993: Gründung des Tourismusverbandes EISENERZ. Abenteuerfahrten mit Riesen-LKWs (Haulys). Erlebnis-Schaubergwerk. „Mythos Erz – die Steirische Eisenstraße“. EISENERZ hat 15.000 Einwohner, davon noch etwa 7000 am Berg beschäftigt.  
 
2000: ehemalige Zwangsarbeiter schreiben an das Tourismusbüro. Mai: ORF-Sendung. Juli: HipHop-Konzert am Berg. Oktober: Aktion „Steririsches Erz“. November: Ausstellung zum NS in EISENERZ.  
 
Anfang 
2000: Vorarbeiten zum Projekt Steirisches Erz 
 
2001: DLF-Sendung über Zwangsarbeit am ERZBERG 
 
2001: Beginn des Projektes Steirisches Erz  
 
 
 
 
 
 
GRAZ UND DIE STEIERMARK IN DEN NÜRNBERGER PROZESSEN  
 
Ernst Kaltenbrunner, am 4. Oktober 1903 unweit von Braunau am Inn, nämlich in Ried, als Rechtsanwaltssohn geboren, ging in Linz auf die Schule, wo er mit Adolf Eichmann befreundet war. Kaltenbrunner studierte in Graz, promovierte 1926 zum Doktor der Rechte und eröffnete in Linz eine Anwaltspraxis. ... Kaltenbrunner verlegte schließlich sein Hauptquartier nach Altaussee in der STEIERMARK. Wenn er allerdings gehofft hatte, dort nach Kriegsende den Alliierten entgehen zu können, sah er sich getäuscht. Schon kurz darauf wurde er von einer amerikanischen Militärstreife aufgegriffen und in Nürnberg vor Gericht gestellt. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 20, S. 84  
 
 
DR. KAUFFMANN: Welche Rolle hat Kaltenbrunner vor dem Anschluß im März 1938 in Österreich gespielt? Gehörte er zu den radikalen Elementen oder zu den gemäßigten? SEYSS-INQUART: Man sagte mir damals, daß Kaltenbrunner der SS nahesteht, der Führer der illegalen SS war er nicht, das war ein Ingenieur in der STEIERMARK. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 16, S. 89 
 
 
HÖLLRIEGEL: Ich kann mich erinnern an Pohl, Glücks, Kaltenbrunner, an Schirach und auch an den Gauleiter von der STEIERMARK, Uiberreither. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 4, S. 429 
 
 
Auf Seite 16 des Dokumentenbuches finden Sie einen Bericht über eine Rede, die Heß am 27. August 1939 hielt; sie zeigt zumindest, daß er an der offiziellen Propaganda, die in jenen Tagen, zwei Tage vor der Kriegserklärung, der Welt entgegengeschleudert wurde, beteiligt war. Ich zitiere aus dem zweiten Absatz: »Rudolf Heß, der von den Auslandsdeutschen und deutschen Volksgenossen des gastgebenden Gaues STEIERMARK immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen wurde, unterstrich die beispiellose Langmut, die Deutschland Polen gegenüber an den Tag gelegt habe und das großzügige Angebot des Führers, das den Frieden zwischen Deutschland und Polen gesichert hätte.  
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 7, S. 153 
 
 
VORLÄUFIGE RICHTLINIEN FÜR DIE AUFTEILUNG JUGOSLAWIENS.  
I. der Führer hat für die Aufteilung Jugoslawiens folgende Richtlinien gegeben: 1. Ehemaliges STEIERMARK- und Krain-Gebiet: Das Gebiet der ehem. STEIERMARK, nach Süden erweitert durch einen etwa 90 km breiten und 10-15 km tiefen Streifen, tritt zum Gau STEIERMARK. Der Nordteil von Krain mit einer Grenzlinie, die südl. nur an der Save, aber nördl. von Laibach gem. anliegender Karte OKH/Gen.Qu. verläuft, wird zu Kärnten geschlagen. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 7, S. 267 
 
 
Ich lege dem Gerichtshof als Dokument USSR-15 den Befehl des Kommandanten der Gendarmerie bei dem Reichsstatthalter in der STEIERMARK Nummer 14-802/42 vor. In dem Befehl wird gesagt, daß es sich hier um die Verlautbarung eines Erlasses des Chefs der Ordnungspolizei handelt. Der erste Abschnitt dieses Befehls des Chefs der Ordnungspolizei lautet, die von mir zitierte Stelle befindet sich auf Seite 38 des Dokumentenbuches: »1. Die sowj. Kgf. sind durch ein besonderes und dauerhaftes Merkmal zu kennzeichnen. 2. Das Merkmal besteht in einem nach unten geöffneten spitzen Winkel von etwa 45° und 1 cm Schenkellänge auf der linken Gesäßhälfte, etwa handbreit von der Afterspalte entfernt. Es ist mit Lanzetten, wie sie bei jeder Truppe vorhanden sind, auszuführen. Als Farbstoff ist chinesische Tusche zu verwenden.« 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 7, S. 405 
 
 
DR. STAHMER: Es heißt in dieser Erklärung von Dr. Uiberreither vom 27. Februar 1946, Dokumentenbuch 2, Herr Präsident, Seite 38: »Am 25. Mai 1938« - sagt Dr. Uiberreither -, »und zwar nach der am 10. April 1938 stattgehabten Abstimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, wurde ich zum Gauleiter des Gaues STEIERMARK ernannt. Einige Wochen später - es kann Ende Juni oder Anfang Juli 1938 gewesen sein - berief der ehemalige Feldmarschall Hermann Göring sämtliche Gauleiter des Deutschen Reiches nach Karinhall.  
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 9, S. 748 
 
 
Herr Präsident! Auf der ersten Seite dieses Auszuges kann man sehen, daß der Gauleiter am 12. November 1941 mit dem SD eine Unterredung hatte. Bei dieser Unterredung waren auch Mitglieder der SS anwesend: »SS-Standartenführer Lurcker führt an, daß bis ca. 2000 Personen nach Serbien ausgesiedelt wurden, 400 Personen kamen ins Konzentrationslager... Als Vergeltungsmaßnahme der letzten Vorfälle werden ca. 30 Personen wieder erschossen.« Der letzte Absatz dieser Seite ist ein Auszug aus dem Protokoll einer Besprechung vom 5. Januar 1942. Hier heißt es: »Am 27. 12. 1941 wurden als Antwort auf einen Überfall 40 Erschießungen vorgenommen...« und dann in einem Bericht über eine Rede von Dr. Carstanjen, des stellvertretenden Gauleiters von STEIERMARK, wird gesagt: »Die Umsiedlung ins Altreich ist beinahe abgeschlossen. Noch ca. 10.000 Personen sollen noch umgesiedelt werden.« Ich möchte die nächsten Seiten nicht verlesen, denn dort steht ungefähr dasselbe wie in den vorherigen Auszügen. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 20, S. 123 
 
 
SIR DAVID MAXWELL-FYFE: Es ist ein Bericht von einem SS-Oberführer Glücks, dessen Name uns nicht ganz unbekannt ist. Es ist ein Bericht vom 21. Februar 1940 an Himmler, in welchem Glücks sich mit fünf eventuellen Konzentrationslagern beschäftigte, deren Verwendung Himmler prüfen sollte... nein, sechs eventuelle Konzentrationslager. Das dritte Lager ist ein Ort Frauenberg, und es heißt hierüber: »Frauenberg ist ein vom Landesfürsorgeverband STEIERMARK eingerichtetes Arbeitslager für Arbeitsscheue und Trunkenbolde. Es besteht aus 5 Holzbaracken und ist aufnahmefähig für 300 Häftlinge. Die Arbeitshäftlinge sind ausschließlich Steiermärker, die vom Landesfürsorgeverband STEIERMARK während ihres Lageraufenthaltes für ihre Arbeitsleistung gelöhnt werden (Stunde 27-57 Pfg., abzüglich Verpflegung). Die Bewachung erfolgt durch die SA (etwa 20 Mann). Die Arbeitshäftlinge werden beschäftigt in zwei Steinbrüchen und im Straßenbau.«  
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 21, S. 194 
 
 
In der STEIERMARK wurde das Lager Frauenberg als ein Arbeitslager für Trunkenbolde und Arbeitsscheue eingerichtet. 300 Insassen arbeiteten in den benachbarten Steinbrüchen und im Straßenbau. SA-Leute bildeten die Wachmannschaft. (NO-034, GB-604). Kann man sich die Verhältnisse, in welchen diese Arbeitsscheuen und Delinquenten lebten - oder starben - ausmalen? Gewalttätigkeit, Mord und Straßenherrschaft während der Kampfjahre, ungesetzliche Verhaftungen, unerlaubte Konzentrationslager, unglaublicher Sadismus während der Jahre des Triumphes 1933 und 1934. Unbarmherzige Unterdrückung und brutale Verfolgung von Juden und jeglicher Opposition, gepaart mit kriegsangriffsmäßiger Ausbildung vom Jahre 1934 an bis zum Kriegsausbruch. Und nachher mehr Konzentrationslager, mehr Sadismus, mehr Unterdrückung und Verfolgung - diesmal der angeblich rassenmäßig unterlegenen Völker wegen. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 22, S. 253-254 
 
 
Der SD-Agent Hermann Ibler, Dozent an der Universität Graz, hat diesbezüglich eine besondere Schrift herausgegeben, die den Titel »Des Reiches Südgrenze« trug und mit dem Vermerk »streng geheim« versehen war. Sie enthielt auch eine Liste der Agenten der Fünften Kolonne in Jugoslawien. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 22, S. 399 
 
 
 
 
Der Steirische ERZBERG hat für das nationalsozialistische Großdeutschland eine zentrale Bedeutung gehabt. Als Rohstoffbasis für die Aufrüstung und die Industrialisierung Österreichs. Schon ab Sommer 1937 lieferte die Alpine-Montan AG eine Million Tonnen Rösterze nach Deutschland. Unter dem Namen Hermann-Göring-Werke entstand ein riesiger Industriekonzern mit Erzförderung, Hüttenwerken und Rüstungsindustrie. Diese Industrialisierung kostete Menschenleben. Auch in EISENERZ. Es gab fünf Lager für Zwangsarbeiter und ein Konzentrationslager.  
 
(Zitat aus der DLF-Sendung „Steirisches Erz“, 6.2.2001)  
 
 
 
 
 
 
STEIRISCHES ERZ IN DEN NÜRNBERGER PROZESSEN  
 
 
STEIERMARK: Von 1867 bis 1918 Kronland der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 1919/20 wurde die Unter-STEIERMARK slowenisch, der Rest österreichisches Bundesland. In der Ober-STEIERMARK liegen nördlich der Enns, mit dem Dachstein und dem Toten Gebirge, Teile der Nördlichen Kalkalpen, und südlich der Enns, mit den Niederen Tauern, den EISENERZER ALPEN und dem Hochschwab, Gipfel der Zentralalpen. Wichtigste Industriezweige sind Eisen-, Stahl-, Elektro-, Glas- und Holzindustrie; das größte Industriegebiet besteht um die Stadt Graz. Abgebaut werden Braunkohle, Magnesit, Salz, Graphit und EISENERZ.  
 
„Als Göring am 9. November 1923 am Odeonsplatz in München durch eine Maschinengewehrgarbe verwundet wurde, da brachten ihn treue Freunde auf einsamen Wildpfaden vor den nachfolgenden Häschern in die freien Tiroler Berge Österreichs. In der großen Halle von Karinhall prangte später ein großes Relief, in dem lange vor dem Anschluß schon Österreich ohne Grenzlinien in die Karte Deutschlands eingezeichnet war. Aber Hermann Göring war auch Leiter des Vierjahresplanes und wußte, daß Österreich auch den ERZBERG besitzt, wo es Erz und Stahl für den Guß von Kanonen gab, er kannte die reichen Wälder Österreichs, wo es Holz für Zellulose, zum Schiffbau und zur Aufrüstung gab, ihm war nicht unbekannt, daß in Österreich die größten Bauxit- und Magnesit-Vorkommen der Welt lagen und daß Österreich die reichen Erdölquellen in Zistersdorf hat.“  
Der Nürnberger Prozeß, Band 19, Seite 66 
 
 
JUSTICE JACKSON: Und die Hermann-Göring-Werke beschäftigten sich damit, Deutschland in Bereitschaft für den Krieg zu versetzen. Stimmt das? GÖRING: Nein, das stimmt nicht. Die Hermann-Göring-Werke befaßten sich zunächst ausschließlich und allein mit der Hebung deutscher EISENERZe im Gebiet von Salzgitter, in einem Gebiet in der Oberpfalz und nach dem Anschluß DES EISENERZWERKES IN ÖSTERREICH. Die Hermann-Göring-Werke errichteten zunächst ausschließlich Förderungsanlagen, Aufbereitungsanlagen für dieses ERZ und Hüttenwerke. Erst sehr viel später traten Stahlwerke und Walzwerke hinzu. Also eine Industrie. JUSTICE JACKSON: Die Hermann-Göring-Werke waren ein Teil des Vierjahresplanes, nicht wahr? GÖRING: Das ist richtig. JUSTICE JACKSON: Und Sie haben schon erklärt, daß der Vierjahresplan den Zweck hatte, die deutsche Wirtschaft in einen Zustand der Kriegsbereitschaft zu versetzen; die Hermann-Göring-Werke waren organisiert, um die ERZ- und EisenWERKE voll auszubeuten und den Prozeß bis zur Herstellung von fertigen Kanonen und Tanks durchzuführen. Trifft das zu? GÖRING: Nein, das ist nicht richtig; die Hermann-Göring-Werke haben zunächst gar keine eigenen Rüstungswerke gehabt, sondern nur, wie ich noch einmal betone, das Vorausprodukt Stahl, Rohstahl, geschaffen. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 9, S. 501 
 
 
SCHACHT: In dieser Denkschrift sagt Hitler unter anderem. Ich zitiere wörtlich: »Es ist vor allem nicht die Aufgabe staatlich-wirtschaftlicher Einrichtungen, sich den Kopf über Produktionsmethoden zu zerbrechen. Dies geht das Wirtschaftsministerium gar nichts an.« Das Wirtschaftsministerium stand unter meiner Leitung, es ist also ein Vorwurf gegen mich. Ein weiteres Zitat: »Es ist weiter notwendig, die deutsche Eisenproduktion auf das außerordentlichste zu steigern. Der Einwand, daß wir nicht in der Lage seien, aus dem DEUTSCHEN EISENERZ mit 26 Prozent Gehalt ein ähnliches billiges Roheisen zu erzeugen wie aus den 45prozentigen Schweden-Erzen und so weiter, ist belanglos... Der Einwand aber, daß in dem Fall die ganzen deutschen Hochöfen umgebaut werden müßten, ist ebenfalls unbeachtlich, und vor allem geht das das Wirtschaftsministerium nichts an.« Ich hatte ausgeführt, wie aus dieser Sache hervorgeht, daß man aus 26prozentigem Erz nur mit doppelten oder dreifachen Kosten den Stahl erzeugen könnte, den man aus 45prozentigen Erzen erzeugen kann und habe ferner gesagt, daß man zur Verarbeitung 26prozentigen Erzes ganz andere Anlagen braucht als zur Verarbeitung 45prozentigen Erzes. Herr Hitler erklärte, das geht das Wirtschaftsministerium, das heißt Herrn Schacht, gar nichts an. Und ein letztes, ganz kurzes Zitat. Ich zitiere: »Ich möchte dabei betonen, daß ich in diesen Aufgaben die einzige wirtschaftliche Mobilmachung sehe, die es gibt und nicht in einer Drosselung von Rüstungsbetrieben...« Auch diese Äußerung wendet sich gegen meine Politik. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 12, S. 569 
 
 
PROF. DR. EXNER: Bezüglich der beiden ersten Punkte, die der Zeuge erwähnt, möchte ich hinweisen auf das Dokument 1809-PS, das ist sein Tagebuch, GB-88, Seite 53 des ersten Bandes meiner Sammlung. Da ist im Tagebuch am 10. März eingetragen: »Die Nachricht über die Verhandlungen Finnland-Rußland sind politisch sehr erfreulich. Die französische Presse tobt darüber, da sie es für notwendig hält, Deutschland vom schwedischen Erz abzuschneiden.« Und dann noch die Eintragung vom 25. März: »Engländer beginnen in dänischen und norwegischen Hoheitsgewässern unsere Handelsschiffe zu belästigen oder gar zu beschießen.« Nun, sagen Sie noch, was löste den Beschluß aus zum Angriff? JODL: Die endgültige Entscheidung des Führers ist am 2. April gefallen, und zwar auf zwei Nachrichten hin: das erste waren Meldungen der Kriegsmarine über mehrfache Beschießung deutscher Handelsdampfer sowohl in den norwegischen wie in den dänischen Hoheitsgewässern. Und die zweite Meldung war eine Meldung Canaris', daß im Nordteil der englischen Ostküste englische Truppen und Transportschiffe zur Verschiffung bereitgestellt seien. 
Der Nürnberger Prozeß, Bd. 15, S. 414-415 
 
 
 
 
In der NS-Zeit gebaute Arbeitersiedlung am Erzberg 
 
 
 
PRESSEMELDUNGEN: ERZ, STEIERMARK  
 
 
22.01.1997 FAZ 
 
Die schwedische Regierung wußte, daß Deutschland das kriegswichtige EISENERZ mit geraubtem Gold bezahlte.  
Und sie setzte diese Geschäfte trotz Warnungen bis 1944 fort . Zwischen Kriegsbeginn und Mitte 1944 erhielt Schwedens Reichsbank 34,5 Tonnen Gold aus Deutschland. Dies im Tausch gegen schwedische Kronen, mit denen Berlin international handeln konnte, und als Bezahlung für über 35 Millionen Tonnen EISENERZ aus nordschwedischen Gruben, ein Rohmaterial, das Hitlers Rüstungsschmieden für den Materialnachschub an die Front dringend brauchten. Details aus der Geschichte des neutralen Schweden, die man dort am liebsten in Vergessenheit geraten lassen wollte. Daß Nazideutschland mit geraubtem Gold bezahlte, war der Regierung in Stockholm nicht nur aus einem einfachen Rechenexempel ersichtlich, sondern konkret über die auch während des Krieges bestens funktionierenden Finanzverbindungen der kriegführenden Länder.  
 
 
11.05.1990 dpa  
 
Das Ende eines langen Winters, Mittwoch 9.5. ARD 20.15  
Was sich während der letzten Kriegstage tatsächlich zugetragen hat, wird für immer rätselhaft bleiben. Als Berlin längst gefallen war, der "Führer" sich bereits umgebracht hatte, waren die Nazis im Auseerland (STEIERMARK) noch eifrig dabei, die "Alpenfestung" auszubauen. Gauleiter Eigruber glaubt nicht mehr an den Endsieg und bereitet einen "starken Abgang" vor. Die im Salzbergwerk von Hallstadt lagernde Sammlung der von den Nazis in ganz Europa zusammengestohlenen Kunstwerke soll auf seinen Befehl in die Luft gesprengt werden. Die in der Umgebung wohnenden Arbeiter fürchten jedoch mehr den Verlust des Salzberges, ihren Arbeitsplatz. 
 
 
17.01.1994 FAZ 
 
Der zweite Roman des Schweizers Urs Richle Ulrich zitiert die  
DIAGNOSE EINER ERSTARRUNG:  
indirekte Rede über sich selbst, der Konjunktiv als Modus tastenden Erinnerns. Erst nach und nach gibt er mehr von sich preis. Er ist, er war ein junger Krankenpfleger in Zürich; sein letzter Patient starb ihm in den Armen, der gewesene Bergwerksingenieur Carl Mall, 87 Jahre. Mall ist ganz Erinnerung, Vergangenes. Immer neu erlebt er seine Arbeit im Berg. Und Ulrich spielt mit, empfängt sinnlose Order, meldet folgsam Vollzug. In diesem halbbewußten Leben unter Tage im Krankenzimmer lernt er Malls Welt kennen wie von innen. Das Bergwerk, der Erzabbau, das Hangende, die Stollenhunde und die Bohrmaschinen der Mineure: Malls Erinnerung ist ein Museum des Handelns, ein Ort der Toten. Aber Mall ist ganz lebendig in dem, was er verschweigt: "Mall mit bleichem Gesicht. Er schaut mich an. HERR MALL, HABEN SIE 1942 AN DEUTSCHLAND EISENERZ GELIEFERT?" fragt Ulrich. Doch Mall, mit "pfeilgeradem Rücken und erhobenem Haupt", Mall schweigt. Weil er weiß, worüber er schweigt. Das ist das "Schweigen eines Landes über eine Zeit, die ich nicht erlebt habe", das kollektiv Verdrängte eines Landes ohne Seele.  
 
Urs Richle: "Mall oder Das Verschwinden der Berge". Roman. Verlag Mathias Gatza, 183 Seiten, geb., 38 DM 
 
 
10.10.1992 ap 
 
DIE VOLKSGEMEINSCHAFT HÄLT DICHT 
 
Wien (AP) - Einen Tag nach der Enttarnung des Grazer Mediziners Egon Sabukoschek als mutmaßlicher „Belgrader Judenkommissar“ der Nationalsozialisten wurde der Arzt in Untersuchungshaft genommen. Nach Angaben des Leiters des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, Simon Wiesenthal, befindet sich der Name Sabukoschek auf einer 38.000 Namen umfassenden Kriegsverbrecherliste der Vereinten Nationen. Eine Verfolgung unterblieb offenbar, weil Sabukoschek als gefallen galt. 
 
 
8.05.1992 Agentur  
 
Demokratische NAZIS 
 
Wien (afp) - ÖSTERREICHISCHE POLITIKER AUS DER STEIERMARK wollen die Schirmherrschaft über die 40-Jahrfeier der "Kameradschaft IV", einer Vereinigung EHEMALIGER WAFFEN-SS-KÄMPFER, übernehmen. Das hat in Österreich heftige Diskussionen ausgelöst. Josef Krainer von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und Peter Schachner- Blazizek von der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) wollen den Festlichkeiten am 23. und 24.Mai zusammen mit dem General im Ruhestand Silvester Stadler vorstehen. Stadler war Kommandant des SS- Regiments, unter dessen Verantwortung 1944 bei dem Massaker in Oradour-sur-Glane in Frankreich 600 Menschen in einer Kirche eingeschlossen und verbrannt worden waren. 
 
 
01.02.1999 Tageszeitung 
 
NAZIS: CHRONOLOGIE DER BRIEFBOMBEN-ANSCHLÄGE 1993-1997 
 
3. bis 6. Dezember 1993: Die ersten zehn Briefbomben treffen ein. Eine verstümmelt die linke Hand des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk.  
24. August 1994: In der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt wird eine Rohrbombe vor einer slowenisch- deutschen Schule gefunden. Ein Polizist verliert beide Unterarme.  
4. bis 6. Oktober 1994: Vier Briefbomben erweisen sich als Blindgänger.  
4. Februar 1995: In Oberwart im Burgenland werden vier Roma durch eine Rohrbombe getötet, die an einem Schild mit der Aufschrift: "Roma, zurück nach Indien" angebracht war.  
6. Februar 1995: In der Nähe des Elternhauses der grünen Abgeordneten Theresija Stoisits in STINATZ (STEIERMARK) wird ein Mann durch eine Rohrbombe verletzt.  
9. und 13. Juni 1995: Von der 3. Briefbombenserie werden auch Pro-7-Quasseltante Arabella Kiesbauer und SPD-Geschäftsführer Thomas Rother in Lübeck betroffen. Beide bleiben unverletzt.  
Oktober 1995: Drei Briefbomben fordern zwei Verletzte.  
Dezember 1995: Die 5. Serie wird an einem Grazer Postamt abgefangen.  
9. Dezember 1996: Eine an die Stiefmutter des damaligen Innenministers Einem adressierte Bombe explodiert beim Entschärfungsversuch  
1. Oktober 1997: Franz Fuchs wird angehalten, nachdem sich zwei Frauen von ihm verfolgt fühlten. Er zündet einen Sprengsatz, der ihm beide Hände wegreißt und einen Polizisten verletzt. 
 
 
 
20.07.1992 taz 
(Stärker als die Angst - Frauen im Widerstand gegen Hitler, ARD, 23Uhr) -  
 
"Daß wenigstens Inseln der Menschlichkeit bleiben - das war unser unbesprochenes Einverständnis." So beschreibt Grete Borgmann ihren Widerstand gegen das Nazi-System. Borgmann konnte nicht tatenlos zusehen, wie Juden einfach abtransportiert wurden. Sie machte ihre Mansarde zur Herberge für Verfolgte. Elf Frauen beschreiben in dem Film von Constanze Hegetusch Weißenbacher ihren Weg in den Widerstand. Eine 16jährige schmuggelte Medikamente und Lebensmittel in das KZ Dachau; zwei Frauen versteckten Deserteure in der STEIERMARK; eine verbarg verfolgte Juden jahrelang in einem Berliner Altersheim. Auch zwei Kommunistinnen sind darunter, die lebensgefährliche Flugblattaktionen durchführten, verhaftet wurden und im KZ Ravensbrück fast umgebracht wurden. Den Dank für ihre Zivilcourage ist die bundesdeutsche Gesellschaft den Frauen bis heute schuldig geblieben. 
 
 
 
09.07.1991 taz 
 
REVANCHISMUS (1)  
 
Klagenfurt ist ein Zentrum der österreichischen Slowenen. Nach einer offiziellen Zählung leben allein in KÄRNTEN 16.000. Inoffiziell sind es, sagt der Kleinunternehmer und Übersetzer Peter Wieser, aber wesentlich mehr, rund 60.000. Seit dem 7. Jahrhundert siedeln sie in Kärnten, gründeten hier ihr selbständiges Reich Karatanien. Hier haben auch heute noch die beiden österreichischen Dachorganisationen ihren Sitz, der "Rat der Kärntner Slowenen" und der "Zentralverband slowenischer Organisationen in Kärnten". Sie trennten sich nach 1945. Der "Rat" sei, erklärt Wieser, "eher christlich-katholisch" orientiert, der "Zentralverband" mehr linksliberal.  
 
Wieser WEHRT SICH HEFTIG GEGEN BERICHTE, NACH DENEN IN KÄRNTEN UND IN DER STEIERMARK DER CHAUVINISMUS BLÜHE UND SLOWENIEN UND KROATIEN "HEIM INS REICH" GEHOLT WERDEN SOLLTEN. Solche Töne kämen nur "von einer verschwindenden Minderheit".  
 
 
05.07.1991  
 
REVANCHISMUS (2)  
 
ÖSTERREICH ERWÄGT ANERKENNUNG SLOWENIENS UND KROATIENS  
Wien/Berlin (taz) - Drei Armeen stehen sich in dem Hochgebirge der Karawanken Auge in Auge gegenüber. Doch während sich jugoslawische Bundesarmee und slowenische Bürgerwehr heftige Kämpfe liefern, verharren die rund 5.000 Soldaten, die Österreich in seine südöstlichen Bundesländer Kärnten, STEIERMARK und Burgenland geschickt hat , in Abwarteposition. Bereits am vergangenen Freitag hat Bundeskanzler Franz Vranitzky den "Neutralitätsfall" festgestellt und das Bundesheer erstmals seit der Ungarn-Krise 1956 in den "Krisenfall 1. Stufe" versetzt, aber geschossen wird vorerst nur jenseits der Grenze. Selbst als jugoslawische MiGs bis zu fünf Kilometer tief in den österreichischen Luftraum vordrangen, stiegen lediglich einige "Draken", die schweren SAAB- Kampfflugzeuge des österreichischen Heeres, zur Warnung auf. 
 
 
 
07.10.1986 taz  
 
ANTISEMITISMUS 
Der österreichische Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller wird heute auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Helmut Qualtinger war neun Jahr alt, als die deutschen Truppen Österreich „besetzten“. Daß sein Vater damals ein strammer Nazi war, überschattete sein ganzes Leben, und seine Reaktion darauf war eine kompromißlose Ablehnung aller Gewohnheiten und Ideale, die nach Bürgerlichkeit rochen. Als ich ihm einmal von einem antisemitischen Vorfall erzählte, der mir in der STEIERMARK zugestoßen war, ereiferte er sich nicht, sondern sagte trocken: "Was fahrst in die STEIERMARK?"  
 
 
6.01.1993 Agentur  
 
 
ANTISEMITISMUS/„ARISIERUNG“  
 
Wien (AFP) - Der Vorsitzende der nationalistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), Jörg Haider, der durch ein Volksbegehren einen Aufnahmestopp von AusländerInnen in Österreich erwirken will, hat auf seinem Privatgrundstück im („arisierten“) BÄRENTAL in Kärnten illegal bosnische Flüchtlinge beherbergt. Dies wurde von einem Wiener Gericht bestätigt. Die Flüchtlinge arbeiteten für ein von Haider engagiertes Unternehmen als Holzfäller auf seinem Grundstück und erhielten für ihre Tätigkeit einen niedrigeren Lohn als österreichische Holzfäller. 
 
 
 
 
 
 
 
Erz – Philosophie  
 
Es ist das ERZ der Möglichkeit nach eine Bildsäule. Dennoch ist nicht die Wirklichkeit des Erzes, wiefern es Erz ist, Bewegung. Nicht Dasselbe nämlich ist, Erz zu sein, und durch irgend eine Kraft beweglich zu sein. Denn wäre es Dasselbe schlechthin und nach dem Begriffe, so wäre ja die Wirklichkeit des Erzes als Erzes Bewegung. 
Aristoteles: Physik, S. 53  
 
 
Nehmt euch ein Exempel an einem Bergmann. Er sei so gut, so recht, so kunstreich, so geschickt wie er wolle, wenn er ein ERZ das erste Mal sieht, weiß er nicht, was es enthält, was es vermag, wie mit ihm zu handeln sei, wie es zu rösten, zu schmelzen, abzutreiben, zu brennen sei. Er muß es zuerst durchlaufen lassen, etliche Probierungen und Versuche kosten, und sehen, wo hinaus. 
Paracelsus: Septem Defensiones, S. 54.  
 
 
Von den Metallen in der Erden: Mit den Metallen hats eben eine Substanz und Geburt wie mit den Gewächsen über der Erden. Denn das Metall oder ERZ ist in Zeit der Anzündung des Zorns im instehenden Rade des siebenten Naturgeistes im Gewirke der Liebe gestanden, da sich hinter dem Feuerblitz das sanfte Wohltun gebäret, darinnen der heilige Himmel stehet, der sich in dieser Geburt, wenn die Liebe Primus wird, in solcher holdseligen Klarheit und schönen Farben erzeiget, gleich dem Golde, Silber und edelsten Steinen. 
Böhme: Aurora oder Morgenröte im Aufgang, S. 536.  
 
 
Abkürzung der Zeit: Das Rosten des Eisens braucht lange Zeit, während die Umwandlung in ERZ schnell geschieht; ebenso braucht der Grünspan viel Zeit, die Herstellung des Bleiweisses nur wenig. Der Krystall zieht sich langsam zusammen, das Glas wird schnell geblasen. Die Steine wachsen langsam, die Ziegeln werden schnell gebrannt u.s.w. 
Bacon: Große Erneuerung der Wissenschaften, S. 441.  
 
 
Das ERZ einer Statue ist z. B. der Stoff, die IDEE der Bildsäule die Form, und nun wird aus beiden die wirkliche Bildsäule. Allein das Erz war nicht der Stoff als dieses bestimmte Erz (denn als solches hatte es ja wieder eine Form, die mit der Bildsäule nichts zu tun hatte) sondern als Erz im allgemeinen, d. h. als etwas, das an sich nicht wirklich ist, sondern nur etwas werden »kann«. Daher ist auch die Materie nur der Möglichkeit nach seiend (dynamei on); die Form der Wirklichkeit nach, oder in der Verwirklichung seiend (energeia on oder entelecheia on). Der Übergang des Möglichen in die Wirklichkeit ist das Werden, dies ist also die Gestaltung des Stoffes durch die Form. 
Lange: Geschichte des Materialismus, S. 260.  
 
 
„Die Arbeiter in den Bergwerken Südamerikas, deren tägliches Geschäft (das schwerste vielleicht in der Welt) darin besteht, eine Last ERZ, im Gewicht von 180 bis 200 Pfund, aus einer Tiefe von 450 Fuß auf ihren Schultern zutage zu fördern, leben nur noch von Brot und Bohnen; sie würden das Brot allein zur Nahrung vorziehn, allein ihre Herrn, welche gefunden haben, daß sie mit Brot nicht so stark arbeiten können, behandeln sie wie Pferde und zwingen sie, die Bohnen zu essen; die Bohnen sind aber verhältnismäßig an Knochenerde weit reicher als das Brot.«  
Liebig, zitiert nach Marx: Das Kapital, MEW Bd. 23 
 
 
Alle Dinge, welche die Arbeit nur von ihrem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erdganzen loslöst, sind von Natur vorgefundne Arbeitsgegenstände. So der Fisch, der von seinem Lebenselement, dem Wasser, getrennt, gefangen wird, das Holz, das im Urwald gefällt, das ERZ, das aus seiner Ader losgebrochen wird. Ist der Arbeitsgegenstand dagegen selbst schon sozusagen durch frühere Arbeit filtriert, so nennen wir ihn Rohmaterial. Z.B. das bereits losgebrochene ERZ, das nun ausgewaschen wird. Alles Rohmaterial ist Arbeitsgegenstand, aber nicht jeder Arbeitsgegenstand ist Rohmaterial. Rohmaterial ist der Arbeitsgegenstand nur, sobald er bereits eine durch Arbeit vermittelte Veränderung erfahren hat. 
Marx: Das Kapital, MEW Bd. 23, S. 263.  
 
 
Plato hielt es für notwendig, daß die erste Generation seiner neuen Gesellschaft (im vollkommenen Staat) mit der Hilfe einer kräftigen Notlüge erzogen werde; die Kinder sollten glauben lernen, daß sie alle schon eine Zeitlang träumend unter der Erde gewohnt hätten, woselbst sie von dem Werkmeister der Natur zurechtgeknetet und geformt wären. Unmöglich, sich gegen diese Vergangenheit aufzulehnen! Unmöglich, dem Werke der Götter entgegenzuwirken! Es soll als unverbrüchliches Naturgesetz gelten: wer als Philosoph geboren wird, hat Gold in seinem Leibe, wer als Wächter, nur Silber, WER ALS ARBEITER, EISEN UND ERZ. Wie es nicht möglich ist, diese Metalle zu mischen, erklärt Plato, so soll es nicht möglich sein, die Kastenordnung je um- und durcheinander zu werfen; der Glaube an die aeterna veritas dieser Ordnung ist das Fundament der neuen Erziehung und damit des neuen Staates. - So glaubt nun auch der moderne Deutsche an die aeterna veritas seiner Erziehung, seiner Art Kultur: und doch fällt dieser Glaube dahin, wie der platonische Staat dahingefallen wäre, wenn einmal der Notlüge eine Notwahrheit entgegengestellt wird: daß der Deutsche keine Kultur hat, weil er sie auf Grund seiner Erziehung gar nicht haben kann. Er will die Blume ohne Wurzel und Stengel: er will sie also vergebens. Das ist die einfache Wahrheit, eine unangenehme und gröbliche, eine rechte Notwahrheit. 
Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen, S. 253.  
 
 
Sie wissen nicht, was Schuld, was Verantwortlichkeit, was Rücksicht ist, diese geborenen Organisatoren; in ihnen waltet jener furchtbare Künstler-Egoismus, der wie ERZ blickt und sich im »Werke«, wie die Mutter in ihrem Kinde, in alle Ewigkeit voraus gerechtfertigt weiß. 
Nietzsche: Zur Genealogie der Moral, S. 117.  
 
 
(gj) 

 

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Letzte Änderung am 2.09.2002